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FrauenFunk #20: Julya Rabinowich, Schriftstellerin

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Ich habe Julya Rabinowich zu ersten Mal live bei einer Laudatio für eine Concordiapreisträgerin erlebt. Ihr Engagement für Menschenrechte war schon damals ganz klar sichtbar und sie weiß , wovon sie redet, wenn sie über Flucht und Flüchtlinge und das Leben in einem fremden, neuen Land spricht. Als 7jährige flüchtete sie mit ihren Eltern, beide Künstler , aus dem damaligen Leningrad nach Wien. Dass sie in Wien bleiben würden, war nicht geplant, aber so war es. Sie kam gleich in die 2. Klasse Volksschule, musste eine Sprache neu lernen und sich auch mit dem Lehrstoff vertraut machen. Ihre Eltern waren streng und sie schaffte Gymnasium und eine Studium der Malerei und Philosophie an der Angewandten.

Immer wieder arbeitete sie als Dolmetscherin für den Verein Hemayat, der Flüchtlinge psychotherapeutisch betreut. Für ihre Romane bekam sie hymnische Kritiken im deutschsprachigen Raum. Mit ihrem dritten Roman „Die Erdfresserin“ nahm sie am Ingeborg-Bachmannpreis teil.

Julya Rabinowich schreibt für Zeitungen und Magazine Kolumnen, Kommentare und Glossen. Sie ist ein wacher, widerspenstiger Geist und ihre Themen kreisen oft um starke, aber gleichzeitig brüchig-sensible Frauenfiguren, die neben Kraft auch viel Zerbrechlichkeit haben. So wie sie selbst. Sie ist ein kritischer Geist, der auch oft aneckt, aber niemals aufgibt. Oft legt sie den Finger auf die ganz wunden Stellen einer Gesellschaft. Das macht sie nicht immer beliebt, aber man hört ihr zu. Und auch dem Feminismus steht sie durchaus kritisch gegenüber.

Ich bin auf der Seite der Frauen, ich nehme mir aber auch heraus sie zu kritisieren, wenn’s notwendig ist. Und wenn man Feminismus als etwas definiert, wo keine Kritik mehr erlaubt ist, da steige ich dann aus. Aber solange man mich eine kritikfähige Feministin nennt, ist es ok. Ich mag eines nicht -- und das hat etwas mit meiner Vergangenheit in der UdSSR zu tun -- ich hasse Dogmen, ich hasse starre Systeme, unter die man sich unterwerfen muss. (…) Ich bin wirklich mit Hingabe für Frauen und deren Förderung, für die Unterstützung von Frauen, für den Austausch mit Frauen, aber ich möchte mich nicht in Schranken weisen lassen, weil ich bestimmte Dinge nicht so mache, wie ein harter Kern im Feminismus das für richtig befindet.“

Über ihre Romanfiguren sagt Julya Rabinowich:

Mich interessiert an meinen weiblichen Figuren immer das Abgründige. Ich bin, was Charaktere betrifft, nicht von Höhenangst befreit.“

Bei meinem Roman „Die Erdfresserin“ gab es mehrere Personen, die mich zu diesem Buch inspiriert haben und ich habe mich stark an meine Erinnerung an diese Menschen gehalten. Dieses Getriebene, dieses Gehen als Funktion, dieses Weitergehen, Aufstehen und Weitergehen - das kenn ich natürlich auch. Aber welche kunstschaffende Frau kennt das nicht.“

Über ihre Fluchterfahrung sagt die Schriftstellerin:

Es war das Wechseln zwischen zwei Welten. Es war so, als wär ich auf einen anderen Planeten ausgewandert…….weil man ging in dem Bewußtsein: es gibt kein Zurück. Du siehst deine Freunde nie wieder, du siehst deine Verwandten nie wieder, du siehst deine Heimatstadt nie wieder…. Dass die UdSSR zusammenkracht, davon ist ja kein Mensch ausgegangen. Dieses Verlassen ist ungefähr so, wie wenn man in einem Raumschiff sitzt, das die Trägerraketen absprengt und man weiß, man kann nur noch zur Destination, aber nicht mehr zurück. Und das ist natürlich ein Bruch in mir und ein Schmerzpunkt, der geblieben ist.“


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Über diesen Podcast

Auf feministischer Spurensuche in Wien: Die Journalistin Brigitte Handlos spricht im FrauenFunk.at mit feministischen Frauen in Wien über ihre Arbeit und Erfahrungen.

von und mit Brigitte Handlos

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