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FrauenFunk #27: Andrea Brem, Geschäftsführerin Wiener Frauenhäuser

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Andrea Brem und ich hatten beruflich miteinander zu tun: Sie als Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser und ich als Ressortleiterin der Chronik im ORF Fernsehen. Leider waren es da immer die traurigen Nachrichten über misshandelte Frauen oder aus dem Ruder laufende Obsorgestreitigkeiten, die in den Medien für Schlagzeilen sorgten, die uns zusammenbrachten.

Doch in jedem einzelnen Fall fiel mir auf, mit welcher Empathie und Energie Andrea Brem darum kämpfte, dass Frauen und Kinder Freiräume brauchen, wo sie sich wieder sicher fühlen können. Wie sie diese Schicksale seit mehr als 30 Jahrzehnten aushält, erzählt sie in unserem Gespräch. Ein großes Sorgenkind ist die geplante automatische Obsorge. Sie bringe für Frauen eine enorme Verschlechterung, weil sie den Partner einfach nicht loswerden bis die Kinder großjährig sind.

Andrea Brem studierte an der Sozialakademie in Wien und schon ihr Praktikum machte sie bei den Frauenhäusern. Seit 1988 ist sie im Verein Wiener Frauenhäuser angestellt, seit 2001 ist sie die Geschäftsführerin des Vereins. Darüber hinaus entsendete sie die SPÖ als Stiftungsrätin in das ORF-Kontrollgremium, wo sie immer ein Auge auf sexistische und unethische Berichterstattung und Werbung hatte. Das tat sie auch im Werberat. Andrea Brem wurde für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet unter anderen mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien und mit dem Frauenpreis der Stadt Wien.

Über Feminismus sagt sie:

"Feminismus ist für mich der Humanismus, dass selbstverständlich alle Menschen auf dieser Welt gleichgestellt sind, egal welche Religion, welche Hautfarbe, aber natürlich auch welches Geschlecht sie haben. Und dafür zu kämpfen -- das ist für mich Feminismus. Man kann nicht Feministin sein und gleichzeitig Rassistin. Das geht sich nicht aus.”

Was treibt sie an in ihrer Arbeit?

“Mein Antrieb war immer die Empörung. Es hat mich immer empört, dass Frauen gedemütigt und gequält werden. Diese permanente Beschädigung, die immer da ist, und zu sehen, wie wenig Unterstützung die Frauen letztendlich haben.”

Wo stehen die Feministinnen heute?

“Wir haben viel erkämpft. Es gibt eine Fristenlösung, die Gewaltschutzgesetze haben sich zigfach verbessert, es gibt eine de-facto Gleichstellung von Frauen im Familienrecht. Aber die Pionierinnen sind halt was Besonderes. Wenn du etwas neu erkämpfst, hast du zwar einen starken Gegenwind, aber wenn du das durchstehst, kriegst du auch viel Anerkennung dafür. Und dann kommen die Mühlen der Ebene…..und das kriegt weniger Bühne. Das Absichern bekommt weniger Wertschätzung als etwas erkämpft zu haben.”


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Über diesen Podcast

Auf feministischer Spurensuche in Wien: Die Journalistin Brigitte Handlos spricht im FrauenFunk.at mit feministischen Frauen in Wien über ihre Arbeit und Erfahrungen.

von und mit Brigitte Handlos

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