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FrauenFunk #28: Svetlana Ilić, Start-up-Gründerin

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Svetlana Ilić ist eine auffällige Frau, eine Naturgewalt: 1,80 groß, roter Pagenkopf, hohe Wangenknochen, schlank und langbeinig. Ein Model. Und wenn sie spricht, dann rollt ihr serbisches R. Ihr Deutsch ist makellos und fehlerfrei, erlernt in Österreich mit 11 Jahren, als sie mit ihrer Mutter und dem Bruder endlich dem Vater nachzog aus Jugoslawien. Eine Gastarbeiterfamilie der ersten Stunde. Da hatte das aufschwingende Österreich sich noch gedacht, wir holen Arbeitskräfte und irgendwann gehen die wieder nach Hause.

Aber sie blieben. Svetlana besuchte die Hauptschule in Wien, wechselte dann auf die Handelsakademie, ihre Bruder ging auf eine HTL. Sie hatten einen fördernden Lehrer, der auf sie schaute. Beide waren begabt. Dennoch wurde Svetlana Puljarevic, wie sie damals noch hieß, nicht nur gut behandelt in der Schule als Gastarbeiterkind.

Ihren ersten Job im Mediengeschäft hatte sie beim Mucha-Verlag. Sie verkaufte Anzeigen und entdeckte, dass sie das wirklich gut kann. Es folgte der Mansteinverlag und schließlich ein Wechsel zum neuen Privatsender ATV. Die alleinerziehende Mutter einer Tochter schupft ihr Leben.

Dann holt sie der Styria Geschäftsführer Horst Pirker zur “WIENERIN”. Bald verantwortete sie als kaufmännische Geschäftsführerin die Styria multi media ladies GmbH. Sie veranstaltet den Wienerin Frauen-Summit mit internationalen Expertinnen, die andere durch ihre Arbeit inspirieren. Sie ist erfolgreich.

2011 trennt sich der Styria-Verlag von ihr. Es folgen Jahre, die nicht ganz einfach waren. Aber jetzt startet Svetlana Ilić nochmals durch. Sie gründet das Start-up “Sveta” und produziert und vertreibt hochwertige, biologische CBD-Produkte. (WWW.SVETA.WORLD)

Über ihren Werdegang in Österreich sagt sie selbst:

“Man hat uns in der Schule einfach aussortiert. In der Handelsakademie waren wir vier Mädchen, die einfach nicht in die Ansprüche und Werte der Schule gepasst haben. Die war für großbürgerliche Schülerinnen gedacht, wo ich nicht reingepasst habe.”

Wir müssten bei der Gleichberechtigung viel früher beginnen, sagt sie:

“Die Abwertung beginnt ja schon im Kindergarten. Schon da müssten wir ansetzen.”

Gleichstellung beginnt mit ökonomischer Gleichstellung:

“Wir brauchen Gleichstellung nicht nur im Gesetz, sondern auch gelebt, sodass eine Frau nicht von einem Mann abhängig ist. Eine Frau, die Kinder bekommt und zuhause ist, sollte vom Staat bezahlt werden und ein Gehalt bekommen, damit sie später eine Pension bekommt und nicht in die Abhängigkeit gerät. Das ist ein Thema, da könnte man gesellschaftlich mehr tun als nur reden. Wir sollen nicht aus den Männern Frauen machen und aus den Frauen die Männer, sondern jeder soll sich seiner Stärken bewußt sein und wir sollten uns in unseren Stärken ergänzen.”

Der Fluch der Schönheit:

“Gutes Aussehen spielt natürlich eine große Rolle. Es ist ein Geschenk, aber auch eine Bürde. Sich als ernsthafte Frau , die Herz und Hirn hat zu beweisen, ist schwierig, weil du wirst immer nur auf den Körper reduziert. Die Männer schauen zuerst, ob sie bei dir landen können und erst dann wird alles andere angesprochen. Und das ist leider noch immer so und das ist sehr traurig.”


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Über diesen Podcast

Auf feministischer Spurensuche in Wien: Die Journalistin Brigitte Handlos spricht im FrauenFunk.at mit feministischen Frauen in Wien über ihre Arbeit und Erfahrungen.

von und mit Brigitte Handlos

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