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FrauenFunk #34: Hilde Stockhammer, Arbeitsmarktexpertin

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Es ist ihre bescheidene, unaufdringliche Art, die einem sofort auffällt. Sie spricht unaufgeregt, aber doch sehr bestimmt. Sätze wie, „damit müssen die Männer halt leben lernen“, klingen bei ihr mehr wie eine Lebenshilfe denn eine Zurechtweisung. Hilde Stockhammer ist nicht die Frau großer Inszenierungen. Sie ist jemand, dem Zahlen und Fakten wichtig sind und an denen hantelt sie sich entlang in ihrer Arbeit für die Frauen. So hat sie es als Leiterin der Frauenabteilung im Arbeitsmarktservice gemacht und auch als Gleichstellungsbeauftragte im AMS hat sich ihre bedächtige, aber hartnäckige Art durchgesetzt.

Hilde Stockhammer hat Soziologie studiert. Schon während des Studiums hat sie in einer Wohngemeinschaft für straffällig gewordene Jugendliche in Linz gearbeitet. Später hat sie diese Einrichtung geleitet.

Dann hat es sie aber doch nach Wien verschlagen. Via Akademikertraining landete sie bei Johanna Dohnal im Frauenministerium, wo sie -- wie sie sagt -- viel gelernt hat für ihre spätere Tätigkeit im AMS. 1997 wurde Hilde Stockhammer Leiterin der Abteilung „Arbeitsmarktpolitik für Frauen“ und hier hat sie viel für die Gleichstellung der Frauen am Arbeitsmarkt bewirkt. Als Gleichstellungsbeauftragte hat sie aber auch innerhalb des AMS viel für die Frauen erreicht.

Sie ist vielfach ausgezeichnet, unter anderen mit dem Käthe-Leichter-Preis 2015.

Über Feminismus sagt Hilde Stockhammer:

„Feminismus ist für mich das Recht auf ein selbstbestimmtes, gleichberechtigtes Leben. Frauen sind genauso viel wert und zwar nicht auf Kosten von jemandem anderen, sondern wirklich als Leitbild für die Gesellschaft.“

Frauen sind nicht an allem selbst schuld, sagt Stockhammer:

„Ich denke, es ist ganz wichtig, dass die Unternehmen begreifen, dass das auch IHR Job ist, die Rahmenbedingungen für Arbeit zur Verfügung zu stellen. Bisher ist es immer so, dass die Frauen gefordert sind. Sie müssen sich weiterbilden, machen Ausbildungen, sie tun alles, um erwerbstätig sein zu können, auch um Karriere machen zu können. Aber es wird immer von den Frauen verlangt sich anzupassen an die Arbeitswelt und an die Bedürfnisse der Unternehmen. Gleichzeitig sollen sie noch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schultern. Dann wird darüber gejammert, dass sie nur Teilzeit arbeiten. Ich finde, es ist jetzt an der Zeit, dass auch die Unternehmen die Verantwortung dafür übernehmen.“

Zum Thema Teilen sagt sie:

„Die Männer hatten bisher zu große Stücke vom Kuchen! Das ist so. Aber sie werden damit leben müssen, dass sie diese Kuchenstücke künftig mit uns teilen. Das kann ja auch für Männer eine neue Qualität bedeuten, weil die Arbeitswelt ist ja auch für die Männer nicht immer so erstrebenswert und freundlich. Wir dürfen aber nicht auf die Männer warten, bis sie freiwillig teilen. Das ist immer eine Debatte gewesen in der Gleichstellungspolitik: Wir müssen die Männer ins Boot holen. Ja, sie können jederzeit einsteigen, aber wir warten nicht darauf bis sie einsteigen, sondern wir rudern und schauen, dass was weitergeht.“


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Über diesen Podcast

Auf feministischer Spurensuche in Wien: Die Journalistin Brigitte Handlos spricht im FrauenFunk.at mit feministischen Frauen in Wien über ihre Arbeit und Erfahrungen.

von und mit Brigitte Handlos

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